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Zwei Lines
geschrieben von Viola FestnetzZwei Lines auflegen, duschen gehen, spucken, stolpern, ausrutschen, aus der Dusche kommen, das Mephedron ist vom Wasserdampf unbrauchbar geworden. Es wird Tag und der Morgen kracht auf mich ein, als ich die Wohnung des Vaters des Sohnes verlasse, und ich suche Vorwände, um mich zurück zu schleppen zu dem Sohn, der auch drauf ist, und mich im Arm hält. Er scheint die Klingel nicht zu hören oder will sie nicht hören, mein Finger ist Eisen auf Metall, dann gebe ich auf und fahre los. Mir brummt der Kopf, die Finger zittern, die Nase läuft, im Mund zu nass, die Haut…
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fette kühe
geschrieben von Simone Stegerdas fett schwimmt auf dem kakao eigentlich mochte ich den trost gerne flüssig aber vier fiese fettaugen starren mich an fette kuh sagen sie und auf die kundenkontrollwaagelegt eine mädchenhand eine halbe avocado fette kuh sagen sie und meine zunge taucht weich ins sämige braun ein wenig süße für mich fette kühe tasten lanugoflaum für die wärme unter der haut wächst der zweifel heute über mich?
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Vulven wie Fliegen
geschrieben von Simone StegerSchopenhauer liegt auf dem fensterbrett ich habe die fliege mit ihm erschlagen der eiweißbrei klebt zur hälfte an der ästhetik zur hälfte an der scheibe jetzt schreibe ich nackt ein gedicht damit ich mich nicht aus versehen am fenster zur welt erschlage so kurzsichtig ich manchmal gern wäre ich sitze nackt auf dem sessel mein leib versinkt im stoff ich habe angst so zu sitzen noch von früher und von der ästhetik keine sprache über vulven ich kann nichts darüber sagen außer vulven wie fliegen eine last im zuhause des körpers genauso wie Schopenhauer in unseren zellen obwohl ich kostbar bin sitze ich das erste mal so Etwas in mir platzt auf Licht prallt auf…
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Leerstelle
geschrieben von Janine SauerSie taumelt mehr, als dass sie geht. Die Kniescheiben knacken, könnten jederzeit unter ihr wegbrechen. Als die Kneipentür hinter ihr zuschlägt, drängt der kalte Windstoß sie ins Licht. Tess hält den Atem an, stolpert hinein in den scharfen Geruch von Bier und Schweiß. Sie spürt die Blicke, natürlich tut sie das, sie sind ihr so vertraut wie ihre eigenen Hände oder das Gefühl der BH Träger, die sich in ihre Schultern graben. Die Blicke in ihrem Dekolleté, auf ihren Haaren, ihren Nägeln, ihren Ohrläppchen, ihren Füßen. Sie schieben sich unter ihren Hosenbund, phantasieren, begehren, verletzen. Sie versuchen nicht einmal unauffällig…
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Shame on me
geschrieben von Stella vom MeerI. Asche war nicht da schon lang verweht im Meer verklungener Worte Eine Seebestattung ohne Tote denn Scham sie lebt weiter in unseren Herzen II. Noch einmal alles auf Anfang wie dumm bist du? fragt die Stimme die ich fürchte. Gedankenfernkreisen wie Geier um zu viel Gesagtes III. Worte Taten ganze Schiffe mit schwerem Bug voller Unzulänglichkeiten Hörst du den Gesang der Sirenen?Kein Land in Sicht nur Wellen Sag mir kannte Odysseus die Scham?
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Schamlos
geschrieben von Maxi TheresaSie kommt zur Tür hinein, trägt den burgunderroten Mantel, der nur 150 statt 300 gekostet hat, gekauft im März. Ihre Mutter sagt, der sähe nach Nutte aus. Findet sie nicht, denkt aber trotzdem jedes Mal dran, wenn sie ihn von der Stange nimmt. Lederstiefel dazu traut sie sich nicht immer. Wenn sie sie doch anhat, sagt ihre Mutter zur Freundin am Telefon: „Schamlos ist die, der ist alles egal!“ Die Leute im Café denken gar nichts. Nur der Unscheinbare, der allein ein Buch liest, der schaut auf, mustert sie, findet sie elegant und denkt an den eigenen Mantel, der sehr…
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Wortbefreit
geschrieben von Ezra L. Tschernichich stehe vor dem Badezimmerspiegel mein Körper steht in Flammen also tauche ich ihn in Wasser so heiß, dass meine Haut schreit. gut so. ich spüre seine Berührungen, wie gebrandmarkt als wären sie für jeden sichtbar und so greife ich nach dem Waschpulver und schrubbe. zwischen meinen Beinen. bis es rot ist und beinahe blutet. aber es ist, als wäre er immer noch da. über mir, auf mir, neben mir, in mir. ich habe keine Worte dafür. aber ich kratze und wische als wäre unter der Schicht aus Schande irgendwo meine Unschuld begraben. dabei liegt sie noch in seinem Bett. Rot läuft meine Beine hinab. Innen. und Außen. meine Periode bin ich gewohnt. den…
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„This is a happy home“
geschrieben von Auren BachmannDie Tür klemmt. Immer. Du musst sie mit der Schulter aufstoßen, und wenn du reinkommst, ist es, als würdest du in einen anderen Aggregatzustand eintauchen. Die Luft ist schwer – gemischt aus süßem Rauch, Schweiß, billigen Lichtern und all den Dingen, über die man nicht spricht. Im Flur flackert das Licht wie ein nervöser Puls. Jemand hat versucht, die Glühbirne zu wechseln, aber dann kam irgendwas dazwischen – wie immer. Sie sitzen überall – auf dem Boden, auf der Anrichte, aufeinander. Gläser klirren, aber niemand hebt sie mehr an. Irgendwo läuft ein Song, der vor fünf Jahren mal bedeutungsvoll war…
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Velleität
geschrieben von Luca PaschenBei allen Chancen passen, ziehen lassen, In Wollust nie mehr wiedersehen. Niemals halten, immer fassen, Später dann nach Hause gehen. Herz steht still im Puls der Zeit. Worte befangen, ersticktes Verlangen Verhallen, ehe als Laut sie erklangen. Ein Stelldichein, verhangen von Neid. Ein Gedanke zerspringt, er sinkt Als Scherbenhaufen am Boden zusammen. Im Schein der staubigen Lichter blinkt Hoffnung, die im Zersplittern zerrann. Abend ohne Morgen. Gebärden, nie geworden, Knacken und krachen auf gläsernem Grund, Versterben, verbluten. Allmählich verstummt Der Traum vom Leben, das niemand erworben.
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Nicht mehr auf den Boden schauen
geschrieben von Rabia CaliskanSelbst schuld, sagt der Mann, in den ich verliebt bin, ich habe mich noch nie für irgendwas geschämt, liegt er da, ausgestreckt, seinen Kopf auf seine Handfläche gestützt, müde lächelnd, bis eben noch so schön. Bis eben wollten meine Finger noch auf seinen Augenbrauen spazieren gehen, selbst schuld, ich war Scham gewesen, in allem, was mich ausmacht. Meine Scham wog lange Zeit mehr als meine Zuneigung, denke ich. In meinem Magen lag ein Stein und im Haus an der Kreuzung zeigten 160 Fenster zur Straße – das war vor zwanzig Jahren. Jeden Morgen stand die gleiche Frau neben mir an…