Zwei Lines auflegen, duschen gehen, spucken, stolpern, ausrutschen, aus der Dusche kommen, das Mephedron ist vom Wasserdampf unbrauchbar geworden.
Es wird Tag und der Morgen kracht auf mich ein, als ich die Wohnung des Vaters des Sohnes verlasse, und ich suche Vorwände, um mich zurück zu schleppen zu dem Sohn, der auch drauf ist, und mich im Arm hält. Er scheint die Klingel nicht zu hören oder will sie nicht hören, mein Finger ist Eisen auf Metall, dann gebe ich auf und fahre los. Mir brummt der Kopf, die Finger zittern, die Nase läuft, im Mund zu nass, die Haut viel zu eng für all die Substanz in einem drin. Die ganze Nacht durchgeredet, jetzt schweige ich 18 Stunden und bitte meine Therapeutin um einen Termin. Sie hat einen, ich gehe hin und sie sagt mir, dass ich süchtig bin nach Kokain, MDMA, Ketamin, Mephedron, Alkohol und Shrooms. Ich habe meine Therapeutin kennengelernt, weil mir die Sucht meines Vaters das Leben schwer gemacht hat. Ich habe auf anderes gehofft. Mir dreht es den Magen um und ich fange an, ein bisschen zu lügen, und die Scham darüber, dass ich lüge, ist fast so schlimm wie die Scham darüber, wieviel und wie oft ich konsumiere, oder die Scham darüber, dass sich der Schatten meines Vaters jetzt nicht nur an meine Fersen geheftet hat, sondern dass mir mein eigener gewachsen ist, und dass ich ihn nicht erkannt habe, weil er natürlich
natürlich!
ganz anders aussieht.
Und als ich es meinen Freunden erzähle, gebe ich meinen Ärger über meine Abhängigkeit nicht zu, sondern mache Witze, ich klappe meine Knie zusammen und sinke jammrig beim Übertreiben in die Hocke, als wäre meine Therapeutin schuld an der ganzen Misere, und meine Freunde lachen, aber ich denke, dass sie sich an den Kopf fassen und meine Naivität verurteilen, und dass in ihren Augen steht:
NATÜRLICH!
WIR HABEN ES DIR DOCH GESAGT.
Weil sie es mir gesagt haben, weil sie verzweifelt und enttäuscht waren, weil sie meinen Puls fühlen mussten, weil sie mich an den Schultern nehmen und schütteln mussten, weil sie immer das Telefon abgehoben haben und ich hier nun stehe mit zusammengesacktem Unterkörper im Mittelpunkt des Geschehens mit den Grinsern und Lachern auf meiner Seite und einer unterhaltsamen Story im Gepäck, könnte ich mir selbst vor Scham
glatt
eine legen.