Die Tür klemmt. Immer. Du musst sie mit der Schulter aufstoßen, und wenn du reinkommst, ist es, als würdest du in einen anderen Aggregatzustand eintauchen. Die Luft ist schwer – gemischt aus süßem Rauch, Schweiß, billigen Lichtern und all den Dingen, über die man nicht spricht.
Im Flur flackert das Licht wie ein nervöser Puls. Jemand hat versucht, die Glühbirne zu wechseln, aber dann kam irgendwas dazwischen – wie immer.
Sie sitzen überall – auf dem Boden, auf der Anrichte, aufeinander. Gläser klirren, aber niemand hebt sie mehr an. Irgendwo läuft ein Song, der vor fünf Jahren mal bedeutungsvoll war und jetzt nur noch Erinnerung ist.
Ein Mädchen – zu schön, um nüchtern zu sein – lehnt an der Wand und zeichnet mit dem Finger Kreise auf ihrem Oberschenkel.
Ein Kerl daneben redet seit zehn Minuten über die Zeit, in der er fast berühmt war. Niemand hört zu.
Und dann sagt einer, halb erstickt von Rauch:
„This is a happy home“
Alle lachen.
Und du lachst mit.
Manch einer nennt es ein Zuhause, weil man öfter zurückkommt, als man will.
Nicht weil es ein Ort der Liebe ist, aber man gelernt hat, dass es schlimmer sein kann, allein zu sein.
Und weil dieses Haus, trotz allem, ein Ort ist, an dem niemand fragt: „Wie geht’s dir wirklich?“
Es ist der perfekte Ort für gebrochene Menschen mit perfektem Timing.
Sie kommen nachts.
Immer nachts.
Wenn die Welt draußen zu laut wird und die Stille drinnen zu ehrlich.
Hier zählt nicht, was du fühlst –
sondern wie gut du es verstecken kannst.
Hier sind die Kissen fleckig von Tränen, die keiner zugegeben hat.
Hier riecht es nach vergangener Nähe und vergänglichem Trost. Hier lebt ein Lachen, das nie bis in die Augen reicht. Du liegst auf einem fremden Bett in einem Zimmer ohne Uhren. Die Decke ist zu niedrig für Träume.
Jemand neben dir erzählt von seiner Mutter, die nie gesagt hat, dass sie ihn liebt.
Er tut so, als sei es ein Witz, aber du hörst, wie sein Herz zwischen den Silben bricht.
Du drehst dich nicht zu ihm um.
Nicht aus Kälte.
Sondern weil du weißt, dass Berührung manchmal schlimmer ist.
Weil sie erinnert.
Und dann kommt dieser Satz wieder.
Immer wieder.
Wie ein Refrain, den keiner geschrieben hat, aber alle singen: „This is a happy home“
Es ist fast ein Mantra.
Fast ein Gebet.
Fast eine Lüge, die irgendwann nach Wahrheit klingt, wenn man sie oft genug sagt.
Am nächsten Morgen riecht das Haus nach altem Rauch und neuen Entscheidungen, die nie getroffen werden. Die Sonnenstrahlen durch die Jalousien sind blass – Licht, das nicht mehr retten will.
Du siehst sie gehen. Einen nach dem anderen.
Mit Kopfhörern, Sonnenbrillen, Kaugummi –
mit diesen kleinen Rüstungen gegen das, was da draußen wieder wie Leben aussieht.
Und für einen Moment bist du allein.
Ganz.
Ehrlich.
Still.
Du könntest jetzt aufstehen.
Du könntest duschen.
Du könntest gehen.
Aber stattdessen bleibst du sitzen.
In einem Raum, der dich nicht hält, aber kennt.
Und flüsterst es selbst.
Nicht für jemanden. Nur für dich, weil du dir kein echtes Zuhause vorstellen kannst:
„This is a happy home“