quamquam

geschrieben von

(I) 

obwohl wir keine briefe mehr schreiben 

hängen unsere hände in wörternebel 

der kopf er schreit: schreib!! und sie  tippen 

bedeutsam auf tasten, basteln wörter  und es  

klappert 

taste
taste
taste
taste
taste
taste doppelpunkt 
taste klammer zu 
taste enter 

und aus dem basteln wird ein  unruhiges warten, denn 

die postfiliale in der hosentasche,  strahlt wie ein pager 

und wenn der empfangsmensch mit  den tasten gebastelt  

hat 

taste
taste
taste
taste doppelpunkt 
taste klammer zu 
taste enter 

dann vibriert die hose vor erregung  und meint es gar  

hot and spicy mit uns  

(II) 

obwohl nun vieles dafür spricht  zurückzubasteln 

lässt die vibration in der rechten  hosentasche nicht 

nach, denn viele sendemenschen  basteln auf ihren 

digitalen briefen die antworten von  morgen 

taste
taste
taste
taste leerzeichen 
taste
taste
taste
taste
taste
taste fragezeichen 
taste enter 

in ein, zwei, drei, zwanzig abteilungen  sammeln sich  

die brieflosen texte und obwohl wir  als fleißige  

postmenschen es schaffen würden  alle zu  

bearbeiten, so blockiert unser  rechenzentrum und  

wir schließen die filiale für den tag //  shut down

(III) 

obwohl die öffnungszeit auf 24/7  gestellt ist, steht der  

betrieb, die schlangen werden länger,  die  

rezensionen schlechter und die 2,7  sterne prangern 

an unserer stirn. störfrequenzen aus  stresshormonen  

lassen die antworten verschwimmen 

taste
taste o
taste r
taste
taste
taste enter 

und wir versinken im  nachrichtenchaos, im  

vibrationszirkus, im  strahlungsspektrum, seicht 

und oberflächlich werden die  gedanken und hinter 

dem begrenzten wortschatz zeichnet  sich die  

sprachlosigkeit ab 

(IV) 

obwohl der rahmen steht: fluchtartig  nehmen die  

finger reißaus, klopfen, scheppern,  schlagen, tippen,  

hauen nicht mehr in die tasten,  verlieren das  

vertrauen in ihre signifikanten und  dekodieren die  

gedanken zu lautmalereien. im schall,  der aus den  

lautsprechern tritt, ist sinn zu  entziffern 

taste audio 
halten 
loslassen 

taste audio 
halten 
loslassen 
taste audio 
halten 
loslassen 

repetitiv wird gedrückt, gehalten,  gesprochen,  

entschuldigt, gefragt und losgelassen.  abteilung 

für abteilung verstummt. 

(V) 

obwohl der rabenschwarze  bildschirmscreen deine  

kommunikationsleere fratze spiegelt.  obwohl deine  

gedanken nicht mehr über  synapsenstränge schießen 

sich im world wide web verlaufen, bist  dann noch du – 

du? der bildschirm hell 

franzi: was los lol 

lukas: morgen voll?

rahel: du bist toll! 

und du wischt rechts rechts rechts,  drückst stop 

hältst lange, länger, am längsten und  die schwärze 

bleibt nun hier, zeigt dir dein digitales  tier und du 

siehst nur deinen doppelgänger  brüllen 

(VI) 

obwohl nun die dramen aus deinem  kopf dringen und 

dein zimmer zur theaterbühne  umfunktionieren  

stehst du entgeistert daneben, siehst  wie sich die  

ränge füllen mit höhnischen fratzen  und seelischem  

verfall. obwohl du als regisseur  entmutigt daneben  

sitzt (im datenchaos versinkend),  reißt dir das world  

wide web deine lungenflügel aus,  erzeugt atemnot  

inmitten des elektronischen tumults.  der sauerstoff 

mangel knipst deinen dendriten das  licht aus. zurück  

bleiben nur: DU und DEIN! 

(VII) 

obwohl dein gehirn an  funktionsfähigkeit verliert,  

hörst du nicht auf zu sein. ein wandel  stellt sich ein: 

LIES! SCHREIB! ANWORTE! deinen  followern. du bist  

ein junger gott umgeben von jungem  vieh.  

taste
taste
taste
taste leerzeichen 
taste
taste
taste
taste
taste
taste
taste
taste leerzeichen 
taste
taste
taste
taste

sendest dein über-ich hinaus in die  welt, nimmst dir 

mehr raum als dir zusteht, verdrängst  alles und jeden der auf dich zugeht.

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