Gerade in dem Moment, als die Sehnsucht meine unsterbliche Seele vollständig zu verschlingen drohte, fasste ich den Entschluss, dich
wiederzusehen.
Du bist grau geworden, doch trägst du die Zeichen des Alterns mit Würde und unvergleichlicher Anmut. Hinter deiner bröckelnden Fassade aus überschminkten Rissen und Narben verbirgt sich ein zaghaftes Lächeln und der sinnliche Schwung deiner Silhouette raubt mir den Schlaf. Du bist so schön, wenn der Mond scheint.
Vorsichtig öffnen meine Finger den Reißverschluss und streicheln sanft über die kühle Oberfläche der Farbdosen. Wie eine Spinne ziehe ich mit routinierter Handbewegung filigrane Fäden aus Überdruck zerstäubten Pigmenten über die schmutzigen Wände. Die ganze Stadt kennt meinen Namen, aber niemand weiß, wer ich bin.
Ich schreibe Worte auf Beton.