Beim Gebärden reden und schreien, weil wir so aufgeregt sind (CODA-Stories)

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Ist das fair?, denkt der Krätzekopf. Mutter versteht es nicht, und wieder muss ich ihr erklären, was da steht. Es ist nicht zum Aushalten, denn sein Hosenbund steht noch immer offen. Ja, so hälts nicht an der Hüfte, nein, nein, den Kaffee hälts nicht in der Speiseröhre nicht. Er besitzt keine Armbanduhr, ein Display zu kaufen erübrigt sich; und überhaupt trägt er die strengste Uhr eng an seinem Körper, sie perforiert seine Haut, braucht für das Subkutane keine Submarine, da die Uhr tief in ihm drin steckt; und die heutige Mode-Psychologie sagt ihm reflexhaft – obwohl es sich hier um einen kulturellen Innenkäfig handelt, der sich manchmal zur Kulturtechnik brüstet – er habe eine internalisierte Uhr. Sie funktioniert nicht in Digits, sie ist nicht an Ziffern ablesbar, sie schießt schon manchmal Zahlen an die Innenseite seiner Stirn, doch ist sie eine zeigerköpfige Hydra. 19 knallt oben gegen seinen Knochen, da wollte ich eigentlich im Büro schon sein. Mutter versteht es immer noch nicht, was da steht, sie ist Taub, was will man machen, sie denkt, weil sie Taub ist, geht es dann um sie, weil ein gemeiner Mensch in den Chat schreibt, es gehe um sie, sie sei misshandelt worden. Mama, verstehst Du nicht, was da steht?, er will mich verprügeln, Dein Bruder will mich verprügeln. Nein, gebärdet sie, er will es nur mit Dir klären, warum schreibt er denn, dass es um mich geht? Soll ich es Dir nochmal zeigen?, frage der Krätzekopf und tut es dann. Siehst Du, da, er schreibt, dass er in ganz F. bekannt ist als Kneipenschläger; und hier steht, dass er Menschen für weniger ins Krankenhaus geschlagen hat; und dort, dass er seinen Kumpel Bogo normalerweise für solche Fälle beauftragt, um sich nicht die Hände schmutzig zu machen. Ich bekomme nicht einmal Familienbonus, Mama. Nein, gebärdet sie, er will es nur mit Dir klären, ich schlage vor, ihr trefft Euch irgendwo und sprecht das aus, das ist doch am besten. Sie drehen sich im Kreis aus 19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 19 pew pew pew space invaders Krätzekopf zoomt heraus als würde er mit den Raumschiffen die Zeit dehnen, was sie weder erträglicher noch schneller vorbeigehen noch sie beide den Raum wechseln lässt, der schon voll genug mit Wäsche steht: Warum bin ich so ein armer fuck? Im Zoomen das Wechselspiel: Er will es mit Dir klären-Das habe ich versucht das hat er in den Wind geschlagen-Warum sagt er dann dass es um mich geht ich sei misshandelt worden-das ist doch egal er hat mir einfach nicht richtig zugehört und deswegen versteht er es jetzt falsch-warum blinkt mein Handy schon wieder siehst Du er schreibt schon wieder-MAMA! LEG-DEIN-SCHEISS-HANDY-WEG! Ich schmeiß das gleich aus dem Fenster-1919191919191919191919 … sie reden und rufen zu den Gebärden, weil sie so aufgeregt sind, am Ende nur noch Mutters Tränen, Krätzekopfs wunder Gaumen von der weggebliebenen Schockspucke, und seine Empathie entfernende Raumfahrt. Und was machen wir jetzt?, fragt Mutter. Nichts. Es wird alles gut. Also schmeißt Du mich jetzt raus? Ja, ich schmeiß Dich jetzt raus, ich muss arbeiten, ins Büro. Er will sich noch verabschieden, unten vor der Haustür und schießt die 19 zurück in die Zeit, in die Uhr, auf die Hydra – zwar fällt 1 Zeigerkopf, aus dem offenen Hals wachsen ihm allerdings 3 neue nach. Ist das logisch – sich gegen Armut zu wehren schafft mehr Armut? Jetzt hat er den Biomüll noch schnell nachgeholt, doch die Mutter ist weg. Jetzt ist sie weggerannt wie das kleine Mädchen, das sie einmal war und immer bleibt, und er geht sie suchen, schreibt ihr:

[18:56] Mama, wo bist Du hin?

Habt ihr eine Frau gesehen, die eben aus dem Haus gekommen ist? Ja. Ja? In welche Richtung ist sie gelaufen? (Hose an Ort und Stelle, nur der Kaffee ist ihm vergangen.)

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