Meine Knochen singen ein Lied. Es ist nicht von der Hand zu weisen. Sie singen, aber hören kann ich sie nicht. Der Wind pfeift durch mich hindurch. Ich könnte in der Kirche stehen und wäre die Orgel. Doch wer weiß, wie auf mir zu spielen ist?
Die Handhabung meiner Finger ist hochkompliziert. Wer kann ohne Brüche meine Arme kurbeln? Wer fasst mich an den Händen und führt mich durch die Stärke des Sturms? Wer stellt mich in die heftigen Böen und lässt mich nicht allein? Wo kann ich mich hören und wer weiß um die Klänge meines Skeletts?
Ich stelle sie mir vor: eine Disharmonie, eine Dissimilation. Wer will sich mir nähern? Bin ich ein Instrument Gottes? Gott, wie könnte ich das sein?
Sind nicht andere dafür geschaffen? Menschen pumpenden Herzens. Ich sehe doch dein Ohr an ihren Brüsten liegen. Sie lieben und laufen herzigen Schrittes durch die Welt.
Willst du wirklich die Knochenorgel anwerfen, willst du spielen? Soll ich den Abend der anderen ihnen vermiesen? Es ist ja nicht von der Hand zu weisen: Meine Knochen singen ein Lied. Aber ich weiß nichts von Tonhöhen und ihrer ganzen Musik.
Gott, ich hoffe, du weißt darum und kennst die Register, die zu ziehen nötig sind. Vielleicht ein kleiner Finger und dann den ganzen Unterarm? Ich hoffe, dir helfen zu können. Es ist nicht einfach zu glauben, ohne eine Melodie zu hören. Darum sprich mit mir, ich höre mich ja nicht. Sag: Klinge ich gut?
Würde es dir genügen, ein Nachtlied auf mir zu spielen? Denn der Tag hat sich geneigt und ich weiß nicht, wer im Dunkeln gehen muss. Lass uns ein Nachtlied hören lassen, dass sie wissen, wo du bist. Ich weiß nicht, wie es klingen wird, Gott. Doch lass es uns versuchen.