„Am schlimmsten ist mit denen, die neben der Toilettentür  schlafen“

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Es ist dunkel und ich muss Pipi. Ich muss immer so, wenn ich  aufwache. Wenn Pipi, dann muss man aufstehen. Mit der Matratze  quietschen, auf den Boden treten. Ich weiß nicht, ob ich Bock  habe. Ich weiß nicht, ob es sich lohnt. Ich weiß nicht, ob ich genug  muss. Aber ja, ich muss. Ich muss Pipi. Voriges Mal kam es vor,  dass ich es bis fünf, sechs Uhr morgens gehalten habe und dann  war ich am Tag wie ein Zombie. Wie spät ist es? Halb eins. Es geht  nichts über das Aufwachen gleich nach dem Einschlafen. Aber gut,  ich muss. Ich setze mich auf dem Bett auf, decke mich ab und  stelle meine Füße auf den Boden. 

Die anderen im Zimmer. Ich weiß nicht, zu wievielt sie uns hier  reingesteckt haben, das ist erst die erste Nacht. Ich nehme das  Handy, es leuchtet, ich decke den Bildschirm ab mit der Hand. Am liebsten würde ich es in der Tasche verbergen, aber im Pyjama  gibt es keine Taschen und ich muss ja ein wenig sehen. Ich muss  ja vorsichtig sein. Und wenn doch die eine die Augen aufmacht?  Aber eigentlich schlafen sie wohl. Wohl. Sie haben geschworen,  sie schnarchten, die eine sagte, dass sie im Schlaf redet, aber es  ist überall still und man hört nur mich, wenn ich aus dem Bett  steige. 

Der Boden quietscht. Man weiß nicht, was für ein Klang es ist,  die Bretter singen oder stöhnen, auf keinen Fall schweigen. Um  die Ecke biege ich nach rechts und dann gleich nach links, um das  Bett nicht zu stoßen, das Bett von … Wie hat sie geheißen? Es ist  mir lieber, wenn sie schläft, als dass sie aufwacht, um mir das zu  sagen. Ich sehe sie nicht, aber ich weiß, dass sie da ist. Wie all die  anderen. Wie alle, die schlafen. Es quält sie nichts, sie haben keine  Probleme, nehmen nichts zum Schlaf und nur ich muss mich in  der Nacht herumtreiben. Den Weg habe ich bereits am Tag geübt.  Noch bevor ich den Koffer ausgepackt habe, habe ich schon die  Schritte geprüft: Wie geht man, um anzukommen und niemanden  zu wecken, wenn ich selber aufwache? 

Am schlimmsten ist mit denen, die neben der Toilettentür  schlafen. Was werden sie sich denken? Sie werden sich sicher  etwas denken. Sie denken bereits, im Schlaf. Am Morgen kommt  es am Frühstück, dass alle von Wasserspülen geträumt haben.  Und wenn ich sie tatsächlich wecke? Dann werden sie sehen, wie  ich wirklich bin, weil ich Pipi muss, und ich kann sogar auf dem  quietschenden Boden nicht so gehen, dass es nicht quietscht. 

Ich mache das Licht an. Unwillkürlich mache ich das Licht an.  Ich habe mir sovielmal in den Gedanken gesagt, das Licht nicht  anzumachen. Ich leuchte doch mit dem Handy und  schlussendlich finde ich auch im Halbdunkeln den Weg zur  Klobrille. Aber es ist bereits zu spät. Alle wissen es schon. Ich  spüre ihre geöffneten Augen an mir. Sie wissen, dass ich Probleme  habe und in der Nacht Pipi muss. Ich drehe den Kopf und schaue  auf die Wände. Überall die Wände, nur die Wände. Die sauberen,  glatten, freien Wände. 

Man hat mir doch das Einzelzimmer gegeben.

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