Frühlingsflaneur

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Es ist nun nicht mehr stechend klar und steht mit weiter Bühne, alle gebückt Vermummten versuchten der Kulisse zu entfliehen. Sie waren ganz klamm in Ehrfurcht der Holzskelette, ragend und ächzend in heulenden Böen. Es war das arme Menschentier in teilnahmsloser Kulisse, größere Unschuld lässt sich nicht finden. Fahles Mondgesicht, umrahmt von rotem Schal, preschte ich, Schädel voraus, pulsierende Wangen – ich war stolz. 

Jetzt sehe ich eine dicke Wanze an der Hausflurwand warten. Der Wind lässt es erahnen, er schwirrt von unten empor, schmeichelt verschmäht, legt sich auf den Umriss aller Dinge mit feinem Netz, macht sie zahm. Mein erster Gang ist eisern und lang, mein Schatten bricht mit der Fremde – Flucht nach vorn. Und doch, meine Haare, schon rostfarben zitternd, strecken die Fühler aus nach allem, was Wärme ist, spielen vor meiner Nase ein Kinderlied. Ganz aufgeräumt verharrt der Himmel grau, es liegt das Gras wie tot, versteckt – vielleicht aus Vorsicht oder gar Scham – seine ungeduldige Erregung. Das Warten ist fragil, es kommt, es kommt und wird gehen. Nicht mehr zu tapsigen Wesen verhüllt, mit flatterndem Mantel schlendert nun Mensch in die Welt, denn sie gehört wieder ihm. Erst bricht es auf mich hinein, wie sie erneut alles bestäuben, einnehmen in immer gleichem Flug. Also reiße ich meine Augen auf, hebe meine Brauen, erweiche meine Stirn und mein Blick wird offen und natürlich. Ja, ich weiß, ich muss Frieden schließen. Ich dehne meine Silhouette, zeichne keine Geraden mehr, jede Begegnung zügelt meinen Marsch. So ziehe ich Fäden: „Ich kenne euch.“ Bei so einem Tanz wird mir katholisch. Zwar brennt der Busch nicht, doch er ist Gewebe und schaut mir gerne zu. Hätte er ein Kinn, so würde er weise nicken und wissen, ich meine es gut. Schau doch, schon kreisle ich mit euch, ich rupfe an langen Halmen wie nebenbei. So viel Leichtigkeit hat man ewig nicht gesehen, ich bin ein wahrer Frühlingsflaneur.

Nichts läge mir jetzt ferner, als meine Sentimentalität mit Zynismus zu beschneiden. Lasst mir meine hübschen Worte, wenn meine Omama mich verabschiedet, nimmt sie immer meine Hand, drückt den Rücken gegen ihre hängende Wange und küsst sie. Sie glaubt daran, dass ich noch Dinge zu verschenken habe. Ja, wenn die Sonne nur kleine Flecken durch das Geäst wirft, noch nicht schreit und brütet, da lässt es sich mit anderen atmen. Trotzdem mir aus dem Gafferdasein nicht viel Ehrlichkeit geblieben ist, lasst mich sagen: Ich möchte bunte Bänder an einem Baum befestigen.

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