Autor:in: Fabian Thaler

  • quamquam

    (I) 

    obwohl wir keine briefe mehr schreiben 

    hängen unsere hände in wörternebel 

    der kopf er schreit: schreib!! und sie  tippen 

    bedeutsam auf tasten, basteln wörter  und es  

    klappert 

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    und aus dem basteln wird ein  unruhiges warten, denn 

    die postfiliale in der hosentasche,  strahlt wie ein pager 

    und wenn der empfangsmensch mit  den tasten gebastelt  

    hat 

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    dann vibriert die hose vor erregung  und meint es gar  

    hot and spicy mit uns  

    (II) 

    obwohl nun vieles dafür spricht  zurückzubasteln 

    lässt die vibration in der rechten  hosentasche nicht 

    nach, denn viele sendemenschen  basteln auf ihren 

    digitalen briefen die antworten von  morgen 

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    in ein, zwei, drei, zwanzig abteilungen  sammeln sich  

    die brieflosen texte und obwohl wir  als fleißige  

    postmenschen es schaffen würden  alle zu  

    bearbeiten, so blockiert unser  rechenzentrum und  

    wir schließen die filiale für den tag //  shut down

    (III) 

    obwohl die öffnungszeit auf 24/7  gestellt ist, steht der  

    betrieb, die schlangen werden länger,  die  

    rezensionen schlechter und die 2,7  sterne prangern 

    an unserer stirn. störfrequenzen aus  stresshormonen  

    lassen die antworten verschwimmen 

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    und wir versinken im  nachrichtenchaos, im  

    vibrationszirkus, im  strahlungsspektrum, seicht 

    und oberflächlich werden die  gedanken und hinter 

    dem begrenzten wortschatz zeichnet  sich die  

    sprachlosigkeit ab 

    (IV) 

    obwohl der rahmen steht: fluchtartig  nehmen die  

    finger reißaus, klopfen, scheppern,  schlagen, tippen,  

    hauen nicht mehr in die tasten,  verlieren das  

    vertrauen in ihre signifikanten und  dekodieren die  

    gedanken zu lautmalereien. im schall,  der aus den  

    lautsprechern tritt, ist sinn zu  entziffern 

    taste audio 
    halten 
    loslassen 

    taste audio 
    halten 
    loslassen 
    taste audio 
    halten 
    loslassen 

    repetitiv wird gedrückt, gehalten,  gesprochen,  

    entschuldigt, gefragt und losgelassen.  abteilung 

    für abteilung verstummt. 

    (V) 

    obwohl der rabenschwarze  bildschirmscreen deine  

    kommunikationsleere fratze spiegelt.  obwohl deine  

    gedanken nicht mehr über  synapsenstränge schießen 

    sich im world wide web verlaufen, bist  dann noch du – 

    du? der bildschirm hell 

    franzi: was los lol 

    lukas: morgen voll?

    rahel: du bist toll! 

    und du wischt rechts rechts rechts,  drückst stop 

    hältst lange, länger, am längsten und  die schwärze 

    bleibt nun hier, zeigt dir dein digitales  tier und du 

    siehst nur deinen doppelgänger  brüllen 

    (VI) 

    obwohl nun die dramen aus deinem  kopf dringen und 

    dein zimmer zur theaterbühne  umfunktionieren  

    stehst du entgeistert daneben, siehst  wie sich die  

    ränge füllen mit höhnischen fratzen  und seelischem  

    verfall. obwohl du als regisseur  entmutigt daneben  

    sitzt (im datenchaos versinkend),  reißt dir das world  

    wide web deine lungenflügel aus,  erzeugt atemnot  

    inmitten des elektronischen tumults.  der sauerstoff 

    mangel knipst deinen dendriten das  licht aus. zurück  

    bleiben nur: DU und DEIN! 

    (VII) 

    obwohl dein gehirn an  funktionsfähigkeit verliert,  

    hörst du nicht auf zu sein. ein wandel  stellt sich ein: 

    LIES! SCHREIB! ANWORTE! deinen  followern. du bist  

    ein junger gott umgeben von jungem  vieh.  

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    sendest dein über-ich hinaus in die  welt, nimmst dir 

    mehr raum als dir zusteht, verdrängst  alles und jeden der auf dich zugeht.